Die Regierung hat es mal wieder geschafft nicht nur über das Ziel hinauszuschießen, sondern direkt potentiell jeden Websurfer zum Ziel von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zu machen.
Siehe z.B.: http://www.golem.de/0904/66647.html
Jetzt denkt man sich vielleicht, daß es egal ist, weil man ja nicht auf Kinderpornoseiten surft. Aber was ist, wenn auf dem Server auf dem ein Drecksack KiPo hostet auch andere Seiten von unschuldigen liegen und man diese ansurft?
Dumm gelaufen.
Im Web und ganz besonders durch Microblogging wie Twitter haben “Short-URL” Services einen großen Aufschwung. Jeder dieser Links kann einen jetzt in den Fokus der Ermittler bringen. Das Problem ist, daß man dem Link nicht ansehen kann, wohin er zeigt. Ein Link wie http://twurl.nl/6oxwv4 kann auf alles mögliche zeigen. Wenn man das jetzt kombiniert mit den Javascript Angriffen auf Twitter, bei denen Accounts von Users missbraucht werden um Nachrichten zu verschicken, dann kann man ganz schnell auf Links aus vermeintlich vertrauenswürdigen Quellen klicken und schwupps, man sieht das nette Stop-Zeichen. Und schon ist man potentiell verdächtig.
Dumm gelaufen!
Praktischerweise wird dieser “Schutz” ja nur für Anschlüsse der Bürger verwendet. Staatliche Einrichtungen wie Unis und Behördenwebzugänge werdennatürlich nicht überwacht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Natürlich ist das rein zufällig. Mitglieder der Regierung würden natürlich “nie” sowas tun. Sie würden sich aber auch nicht der Gefahr aussetzen, fälschlicherweise beschuldigt zu werden. Das wäre ja blöd, weil man will ja keine schlechte Publicity und wiedergewählt will man ja auch werden. Zu schade, es hätten sich bestimmt viele Leute gefunden, die Politikern mal ein “Ei” ins Nest gelegt hätten. Eigene Medizin schmecken ist halt nicht so toll.
Wenn diese Sperren wenigstens etwas helfen würden aber die KiPo Konsumenten werden ja nicht alle doof sein und schnell Wege finden, diese Sperren zu umgehen. Da die Energie lieber in sinnlose Sperren investiert wurde, anstatt mal die Verbreitung von Kinderpornographie durch löschen der Daten auf den entsprechenden Servern zu veranlassen mit entsprechender anschließender Ermittlung gegen die Serverbetreiber/Kunden der Betreiber… Das scheint zu schwierig, weil da müsste man ja areiten und würde das Problem vielleicht sogar wirklich beseitigen. Auch wenn die Server im AUsland stehen hat man unter Garantie die Möglichkeit die Serverbetreober zur Löschung zu veranlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Regierung sich gegen Beweise wehren kann und wissentlich KiPo-Konsumenten und Produzenten schützen wird. Diese Art von Publicity kann ausser vielleicht in einer Diktatur keine Regierung auf Dauer verkraften. Wozu gibt es denn die ganzen internationalen Gremien, wenn man sie nicht für sowas nutzen kann?
Naja, für konstruktive Kritik scheint diese Regierung hier ja nicht offen zu sein, sonst hätten sie vielleicht auf die ganzen Stimmen in den Medien gehört, die sie auf die fehlende Sinnhaftigkeit ihrer Idee aufmerksam gemacht haben. Lieber die Wähler mit Snake-Oil blenden. Die merken das schon nicht und man kann ihnen nicht vorwerfen, sie hätten nichts getan…
Bin mal auf die nächste Eskalationsstufe gespannt, wenn die merken, daß es nicht nützt. Ob dann endlich alle Serverbetreiber ihre Logfiles direkt ans BKA schicken müssen, damit diese dann auf “verdächtige” Einträge scannen können?
Brave new world.